Newsblog | Proteste im Iran: Aktivisten melden 50 Tote

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Nach dem Tod einer 22-Jährigen sind Hunderttausende im Iran auf den Straßen. Es wird für und gegen Religionsregeln demonstriert. Alle Infos im Newsblog.Der Iran erlebt gegenwärtig eine selten dagewesene Protestwelle. Frauen zünden in dem seit der Revolution von 1979 islamistisch regierten Land öffentlich ihre Kopftücher an, Hunderttausende sind im ganzen Land auf der Straße. Die Regierung des erzkonservativen Präsidenten Ebrahim Raisi gerät zunehmend unter Druck. Entzündet hatten sich die Proteste an dem Tod der 22-jährigen Iranerin Mahsa Amini. Die junge Frau wurde vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen. Was genau nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Fest steht: Sie fiel ins Koma und starb vergangenen Freitag in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist das zurück und spricht von einem Herzinfarkt.Aktivisten melden mindestens 50 Tote19.59 Uhr: Bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im Iran nach dem Tod von Mahsa Amini sind nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten bislang mindestens 50 Menschen getötet worden. Zuletzt seien sechs Menschen am Donnerstagabend in Reswanschahr in der nordiranischen Provinz Gilan von Sicherheitskräften erschossen worden, teilte die Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Oslo am Freitag mit. Tausende Gegendemonstranten gingen am Freitag für das Tragen von Kopftüchern auf die Straße.Auch aus den nordiranischen Ortschaften Babol und Amol seien Todesfälle gemeldet worden. "Die internationale Gemeinschaft muss der iranischen Bevölkerung gegen eines der repressivsten Regime unserer Zeit beistehen", forderte IHR-Leiter Mahmood Amiry-Moghaddam. Die iranischen Behörden geben die Zahl der Toten offiziell mit 17 an, darunter seien fünf Sicherheitskräfte. Im Staatsfernsehens war zuletzt von mindestens 26 getöteten Menschen die Rede.Wieso auch Exil-Iraner gegen das Ayatollah-Regime demonstrieren18.24 Uhr: Nach dem Tod von Mahsa Amini demonstrieren auch in Deutschland Menschen. Was soll ihr Protest erreichen? Mehr dazu lesen Sie hier.USA wollen Internetzugang im Iran erleichtern17.44 Uhr: Angesichts der Proteste im Iran lockern die USA Exportbeschränkungen, um Iranern den Zugang zum Internet und zu Software zu erleichtern. Dies werde Technologiekonzernen ermöglichen, das Internet-Angebot für Iraner auszuweiten, erklärte US-Vizefinanzminister Wally Adeyemo am Freitag. Das umfasst unter anderem den Zugang zu Software – darunter Anti-Viren-Programmen – und zu Videokonferenz-Diensten."Während mutige Iraner auf die Straße gehen, um nach dem Tod von Mahsa Amini zu protestieren, verstärken die USA ihre Unterstützung für den freien Informationsfluss für das iranische Volk", erklärte Adeyemo. "Mit diesen Änderungen helfen wir den Iranern, besser ausgerüstet zu sein gegen die Bemühungen der (iranischen) Regierung, sie zu überwachen und zu zensieren."Die iranischen Behörden hatten als Reaktion auf die Proteste nach dem Tod der 22-jährigen Amini den Zugang zum Internet eingeschränkt und Online-Netzwerke blockiert, zuletzt auch die Plattform Instagram. Das US-Finanzministerium erklärte nun, der Iran wolle die Welt daran hindern, "das brutale Vorgehen gegen friedliche Demonstranten zu sehen".Iranische Journalistin Hamedi in Haft16.24 Uhr: Weil sie den Fall um die im Polizeigewahrsam verstorbene Iranerin Mahsa Amini als eine der Ersten bekannt gemacht hatte, ist die Journalistin Nilufar Hamedi in der Hauptstadt Teheran inhaftiert worden. Am Donnerstag wurde die Journalistin der Reformzeitung "Shargh" verhaftet. Wie die Zeitung berichtete, wurden neben Hamedi auch zwei weitere Reporter, eine Fotografin und ein politscher Aktivist im Zusammenhang mit den Protesten verhaftet. Sie sollen sich im berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran befinden.Der bereits mehrfach inhaftierte Aktivist Madschid Tawakoli wurde in der Nacht zum Freitag festgenommen, wie sein Bruder im Onlinedienst Twitter schrieb. Die Nichtregierungsorganisation Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) forderte die Freilassung aller Journalisten, die wegen der Berichterstattung über den Fall Amini im Iran festgenommen wurden.Tausende demonstrieren im Iran für das Tragen von Kopftüchern16.17 Uhr: Tausende Menschen haben im Iran für das Tragen von Kopftüchern demonstriert. Sie seien nach den Freitagsgebeten durch die Hauptstadt Teheran gezogen und damit einem Aufruf der Behörden gefolgt, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Auf Schildern dankten die Teilnehmer den Sicherheitskräften und verurteilten Frauen, die ihre Kopftücher verbrannt hatten.Regierungstreue fordern Todesstrafe für Demonstranten16.08 Uhr: Im Iran haben regierungstreue Demonstranten am Freitag die Todesstrafe für die Verantwortlichen der Proteste der vergangenen Tage gefordert. "Angreifer des Korans müssen hingerichtet werden", rief die Menge bei einem Aufmarsch, über den im staatlichen Fernsehen berichtet wurde. Regimekritische Demonstranten, die nach dem Tod der 22-Jährigen Mahsa Amini seit einer Woche gegen die Staatsmacht protestieren, wurden als "Israels Soldaten" bezeichnet. Die Armee kündigte ein hartes Vorgehen gegen Regierungskritiker an."Unterstützt nicht unsere Mörder"14:11 Uhr: Vor wenigen Tagen starb eine 22-Jährige, offenbar durch Polizeigewalt im Iran. Die Demonstranten fordern nun eindringlich eine "Revolution der Frauen". Mehr dazu lesen Sie hier.Staatsfernsehen: Mindestens 26 Tote nach Protesten14.05 Uhr: Bei den Protesten im Iran sind nach Angaben des Staatsfernsehens bislang mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten seien auch Polizisten, schreibt "Zeit Online" und beruft sich auf Berichte der Staatsmedien. Zu der Zahl der verstorbenen Polizisten wurden demnach zunächst keine Angaben gemacht. Zuletzt hatten die Behörden von insgesamt 17 Toten gesprochen.Regierungsanhänger im Iran protestieren gegen Systemkritik13.58 Uhr: Im Iran sind nach Angaben der Staatsmedien Tausende Menschen auf die Straßen gegangen, um sich mit dem Regierungskurs zu solidarisieren. Bei den von der Regierung organisierten Demonstrationen marschierten Anhänger nach dem Freitagsgebet durch mehrere Städte, wie auf Bildern des Staatsfernsehens zu sehen war. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna riefen die Demonstranten auch Slogans wie "Tod Amerika" oder "Tod Israel" sowie "Unser Volk ist wach und hasst Unruhestifter". Der Protest richtete sich gegen systemkritische Äußerungen bei den Unruhen der vergangenen Tage.Irans Armee und Geheimdienst warnen vor Teilnahme an Protesten12.43 Uhr: Irans Streitkräfte haben auf das Schärfste vor einer Störung der Sicherheit im Land gewarnt. "Wir werden den Feinden nicht erlauben, die Situation auszunutzen", hieß es in einer Mitteilung, wie die iranische Nachrichtenagentur Isna am Freitag berichtete. Auch der Geheimdienst warnte nach Angaben der Agentur Tasnim vor einer Teilnahme an "illegalen Versammlungen". Am Donnerstag hatte Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi ein hartes Durchgreifen der Sicherheitskräfte bei den landesweiten Protesten angeordnet.Bundesregierung fordert Aufklärung im Fall Amini12.40 Uhr: Die Bundesregierung hat den Iran aufgefordert, die Umstände des Todes der 22-jährigen Mahsa Amini nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei aufzuklären. Wichtig sei "eine rasche und umgehende Untersuchung des Todes", sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Freitag in Berlin. Die Bundesregierung sei "gleichermaßen bestürzt darüber, dass bei den landesweiten Protesten wegen des Todes von Frau Amini offenbar zahlreiche weitere Menschen ums Leben gekommen sind".Zu möglichen Reaktionen der Bundesregierung auf die Vorfälle im Iran sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Deutschland tausche sich derzeit mit den Partnern auf EU-Ebene zu einem gemeinsamen Vorgehen aus. Zu möglichen konkreten Schritten lasse sich derzeit noch nichts sagen.Polizisten verstecken sich in Wache: "Erschießt sie!"11.28 Uhr: Polizeieinheiten im nordiranischen Badeort Babol hatten in der vergangenen Nacht keine Chance, sich gegen die Wut der Demonstrierenden zu behaupten. Ein Video, das der iranischen BBC zugespielt wurde, zeigt Polizisten, wie sie sich in ihrer Wache verschanzen. Der BBC-Journalist Ali Hamedani berichtet auf Twitter, die Beamten würden mit den Worten "Erschießt sie" fordern, das Feuer auf die Menge vor der Wache zu eröffnen. Demonstranten in Nouschahr drehen Polizeiauto um10.22 Uhr: In der Hafenstadt Nouschahr im Norden des Landes haben Demonstranten am Donnerstagabend ein Polizeiauto auf den Kopf gedreht. Das zeigen auf dem sozialen Netzwerk Twitter verbreitete Aufnahmen des Vorfalls. Darauf zu sehen sind zahlreiche Männer und mindestens eine Frau, welche auf ein in der Mitte einer Straße stehendes Auto zulaufen und dieses mit ihren Händen umdrehen. Iranischer Prinz im Exil feuert Demonstranten an10.16 Uhr: Der iranische Prinz im Exil, Reza Pahlavi, hat die Demonstrierenden im Iran zu einer Ausweitung der Proteste aufgerufen. Das sei der Schlüssel zum Sieg, sagte Pahlavi am Dienstag laut einem Bericht von "Iran International". Pahlavi ist der älteste Sohn des ehemaligen Shahs des Irans, Mohammad Reza Pahlavi. Durch die Proteste gebe es kein Zurück auf dem Weg, "unser Land vom anti-iranischen Regime der Islamischen Republik zurückzuerobern". Mehr dazu lesen Sie hier.Großes Bild des Religionsführers in Teheran verbrannt9.10 Uhr: Ein großes Bild des geistlichen Oberhaupts des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, wurde in den Straßen der Hauptstadt Teheran in Feuer gesetzt. Das zeigen auf Twitter verbreitete Aufnahmen. Der Forscher Joe Truzmann, der die Aufnahme ebenfalls teilte, schreibt sogar vom größten existierenden Bild Chameneis.Auch zuvor hatte es ähnliche Berichte aus anderen Städten gegeben. In Isfahan zerrissen Protestierende ein Transparent mit einem Bild Chameneis. Es wurde außerdem berichtet, dass Protestierende "Tod dem Diktator!" skandierten – eine Anspielung auf den Religionsführer. FDP-Generalsekretär: Proteste treffen Führung in Teheran ins Mark8.20 Uhr: FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai kritisiert unter dem Eindruck des Vorgehens der Führung in Teheran gegen Frauen die Iran-Politik Europas als "naiv". Der aus dem Iran stammende Politiker hält es für zu kurz gegriffen, dass die Europäische Union nach seiner Auffassung einzig das Ziel verfolge, mit der Islamischen Republik ein Atomabkommen zu vereinbaren. In einem am Donnerstagabend veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters sagte der 46-jährige Außenpolitiker mit Bundestagsmandat aus Nordrhein-Westfalen zugleich, die gegenwärtigen Proteste träfen die Führung in Teheran ins Mark."Ich hoffe sehr und ich würde auch die Prognose aufstellen, dass sich auf Dauer die Frauenbewegung durchsetzen wird", sagte Djir-Sarai, dessen Eltern nach wie vor im Iran leben und zu denen er einen regelmäßigen Kontakt pflegt. "Das ist eine echte feministische Bewegung. Und da haben die absolut keine Antwort darauf", fügte er mit Blick auf die Mullahs in Teheran hinzu. "Da hat die islamische Regierung bis jetzt nur mit Gewalt geantwortet."
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