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Nahrungsergänzungsmittel: Einnahme von Vitamin-D-Präparaten – wann sie sinnvoll ist und wann nicht

vor 2 Monate 17

Im winterlichen Grau können wir keine kleinen Sonnenbäder nehmen und Vitamin D tanken. In sozialen Netzwerken wird quasi an jeder Ecke für die Einnahme von Vitamin-D-Pillen geworben. Doch mit der Einnahme auf eigene Faust sollten Verbraucher:innen vorsichtig sein – eine Überdosierung kann gefährlich werden.

Wer auch nur ab und an in den sozialen Netzwerken Instagram oder Tiktok unterwegs ist, wird an der Werbung für die Einnahme von Vitamin D kaum vorbeikommen. Viele Influencer:innen bewerben die positiven Wirkungen auf die Gesundheit und suggerieren, dass eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin D vor allem jetzt in der dunklen Jahreszeit unerlässlich sei, um gesund zu bleiben. Es stimmt zwar, dass eine ausreichende Versorgung mit dem Sonnenvitamin für den Knochenstoffwechsel wichtig ist. Doch nicht jeder und jede sollte einfach auf eigene Faust solche Vitaminpräparate einnehmen – eine Überdosierung kann gefährlich sein. Wann eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll ist, wie viel Vitamin D wir brauchen und was bei einer Überdosierung passiert.

Welche Funktion hat Vitamin D im Körper?

Vitamin D spielt eine wichtige Rolle im Knochenstoffwechsel. Denn: Für stabile Zähne und Knochen benötigen wir Kalzium. Unser Körper lagert es als Kalziumphosphat ein. Vitamin D unterstützt die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm ins Blut und die Einlagerung in die Knochen. Außerdem reguliert es den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel. Vitamin D ist auch noch an weiteren Stoffwechselvorgängen beteiligt.

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Wie bekommen wir genug Vitamin D?

Der beste Weg, um eine Versorgung mit Vitamin D sicherzustellen, ist durch die Eigensynthese der Haut, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Damit wir ausreichend Vitamin D über die Haut aufnehmen können, müssen wir uns in der warmen Jahreszeit genug im Freien aufhalten.

Die DGE empfiehlt für eine ausreichende Versorgung, zwischen März und Oktober zwei- bis dreimal pro Woche Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz der Sonne auszusetzen (10 bis 25 Minuten). Aber Achtung: Sonnenbrände dabei unbedingt vermeiden! Laut BfR nehmen wir durch Eigensynthese bei ausreichender Sonneneinstrahlung durch die körpereigene Bildung in der Haut 80 bis 90 Prozent unseres Vitamin-D-Bedarfs auf. In den Wintermonaten greift unser Körper dann auf im Muskel- und Fettgewebe gespeichertes Vitamin D zurück. Sind die Speicher ausreichend gefüllt, reicht diese Versorgung vollkommen aus, um ohne einen Mangel durch den Winter zu kommen.

Über die Ernährung kann nur ein äußerst geringer Teil des Vitamin-D-Bedarfs gedeckt werden. Es ist vor allem in fetten Seefischen wie Lachs, Hering oder Makrele enthalten. Auch in Eigelb, Leber und einigen Speisepilzen findet sich Vitamin D.

Wie gut sind die Deutschen mit Vitamin D versorgt?

Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) sind die meisten Deutschen von einem klinischen Vitamin-D-Mangel, der die Gesundheit beeinträchtigen würde, weit entfernt. Nach Auswertung von Daten aus den Jahren 2008 bis 2011 bzw. aus 2003 bis 2006 (für Kinder und Jugendliche) geht das RKI davon aus, dass 15,2 Prozent der Erwachsenen und 12,5 Prozent der Kinder mangelhaft mit Vitamin D versorgt sind.

Was passiert bei einem Vitamin-D-Mangel und wie äußert er sich?

Das RKI informiert darüber, dass erst von einem Vitamin-D-Mangel gesprochen wird, wenn Vitamin D im Körper über einem längeren Zeitraum fehlt und Symptome auftreten wie weicher werdende Knochen. Wie hoch der Vitamin-D-Spiegel im Blut ist, unterliege saisonalen Schwankungen. Ein einmalig gemessener niedriger Vitamin-D-Wert bedeute deshalb nicht zwangsweise, dass schon länger ein Vitamin-D-Mangel vorliege.

Ein Vitamin-D-Mangel kann schwerwiegende Folgen für die Knochengesundheit haben. "Die gravierendsten Folgen sind die Entkalkung und letztendlich die Erweichung der Knochen. Bei Säuglingen und Kindern kann dies zum Krankheitsbild der Rachitis führen, das heißt zu schwerwiegenden Störungen des Knochenwachstums und zu bleibenden Verformungen des Skeletts inklusive Aufreibungen im Bereich der Wachstumsfugen", heißt es beim RKI. Weitere Anzeichen bei Kindern sind eine verringerte Muskelkraft und eine Infektanfälligkeit.

Erwachsene mit einem Vitamin-D-Mangel können unter Knochenschmerzen, Muskelschwäche und einer Verformung von tragenden Knochen leiden. Diese Symptome werden durch die Entkalkung des Knochens verursacht. Ebenso kann ein Vitamin-D-Mangel zur Entwicklung von Osteoporose beitragen. Bei dieser Erkrankung werden die Knochen porös und brechen leichter.

Wer ist besonders gefährdet, einen Vitamin-D-Mangel zu bekommen?

Manche Menschen haben ein erhöhtes Risiko einen Vitamin-D-Mangel zu bekommen, weil sie sich selten oder nie im Freien aufhalten (können). Dazu zählen zum Beispiel pflegebedürftige und bettlägerige Menschen. Mit zunehmendem Alter lässt die Eigenproduktion von Vitamin D nach, deswegen sind sie generell gefährdet, einen Mangel zu entwickeln, heißt es beim RKI.

Auch Säuglinge haben ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel, weil sie keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden sollten. Auch wer nur mit bedeckter Haut ins Freie geht und Menschen mit chronischen Magen-Darm, Leber- oder Nierenerkrankungen oder solche, die Medikamente nehmen, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinträchtigen, gehören zur Risikogruppe. Auch Menschen mit einer dunkleren Hautfarbe haben ein erhöhtes Risiko. Durch den erhöhten Melaningehalt in der Haut werden die UVB-Strahlen in der Sonne stärker abgehalten.

Für wen ist es sinnvoll, Nahrungsergänzungsmittel für eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung zu nehmen?

In Nahrungsergänzungsmitteln begegnet uns das Sonnenvitamin als Cholecalciferol (D3) oder Ergocalciferol (D2). Nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW wird Vitamin D3 meist aus Wollfett gewonnen und Vitamin D2 wird aus der UV-Bestrahlung von Ergosterol aus Hefe. Solche Nahrungsergänzungsmittel sollen laut DGE erst zum Einsatz kommen, wenn sich der Vitamin-D-Status weder durch die Eigensynthese der Haut noch durch die Ernährung verbessern lässt. Der Grund: Bei Vitamin D handelt es sich um ein fettlösliches Vitamin, dadurch kann es im Fett – und Muskelgewebe gespeichert werden. Durch die Einnahme von Vitamin-D-Supplementen in übermäßig hohen Dosierungen kann es zu einer akuten oder schleichenden Überdosierung kommen.

Reicht die Versorgung durch die Eigensynthese und über die Nahrung nicht aus, empfiehlt die DGE ,Vitamin-D-Präparate täglich Vitamin D nur in einer Dosierung von 20 Mikrogramm pro Tag einzunehmen. "Höhere Dosierungen sollten nur unter ärztlicher Kontrolle und unter Berücksichtigung des individuellen Vitamin-D-Status erfolgen. Für frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel existieren derzeit weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene verbindliche Höchstmengen für den Vitamin-D-Gehalt", informieren die Fachleute der DGE. Für Risikogruppen kann die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten sinnvoll sein, die Einnahme sollte aber immer mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden.

Laut BfR ist eine tägliche Einnahme von Vitamin-D-Präparaten in Dosierungen von 50 oder 100 Mikrogramm aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht sinnvoll. Doch eine gesundheitliche Beeinträchtigung bei der gelegentlichen Einnahme solch hochdosierter Präparate, wird von der Behörde als unwahrscheinlich eingestuft. Wer allerdings langfristig und täglich hochdosierte Vitamin-D-Präparate zu sich nimmt, geht damit ein erhöhtes gesundheitliches Risiko ein – darauf deute die aktuelle Studienlage hin.

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Was passiert, wenn man zu viel Vitamin D aufnimmt?

"Während Vergiftungen über die körpereigene Vitamin-D-Bildung und die natürliche Ernährung nicht erreicht werden können, ist sie durch übermäßig hohe Einnahmen von Nahrungsergänzungsmitteln oder hochdosierten Medikamenten (…) möglich", schreibt das RKI.

Wird zu viel Vitamin D eingenommen, führt es zu einem erhöhten Kalziumspiegel. Das führt im akuten Fall zu Bauchkrämpfen, Erbrechen, Übelkeit und Appetitlosigkeit. In schweren Fällen kann es gar zu Herzrhythmusstörungen, Nierenschädigungen, Bewusstlosigkeit und dem Tod führen. Weil Vitamin D im Körper gespeichert wird, kann es nicht nur zu einer akuten, sondern auch zu einer schleichenden Überdosierung kommen.  

Quellen:Verbraucherzentrale NRW, BfR,RKI, DGE 1, DGE 2, DGE 3

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